• Die Waschmaschine

    Im Schleudergang ruckelt und klopft die Waschmaschine, als wäre sie eines wütenden Kindes trächtig, das mit Fäusten gegen die Wände klopft.

  • Slovakia

    Abbläternde Städte in den matten, fleischfarbenen Tönen zentraleuropäischer Eleganz.

  • Sommer auf der Krim

    An der Promenade eine klapprige alte Oma deren dünne, wurzelartige Hände winzige, superscharfe Bikinis häkeln, die an die Äste eines Baumes gehängt feil geboten werden. Blonde Schönheiten um die 20 in gefährlich hohen Absatzschuhen betrachten sie.

    Am Strand nackige Menschen, farblich gegrillten Hähnchen gleichend.

  • Kiev übt sich im Kapitalismus

    Die Flughafencafés üben sich im Kapitalismus. Das сэндвич (sändwitsch)kostet 5 x so viel wie im Rest der Stadt und ich kaufe es nur um meine letzten zwei Euro Hrivnya loszuwerden. In der Vitrine sieht es noch ganz normal aus. Erst als ich es dann in Händen halte bemerke ich die Zuckerwattenkonsistenz des Brötchens, in dem dann auch nur eine Briefmarken-große Scheibe Käse liegt.

    Im Flugzeug gibt's nach langem Warten auch was zu essen. Ich falle in folgender Reihenfolge über as Tablettangebot her: Erst den weißen Weck mit Butter, dann das Konservenobst-Dessert, dann der Schnittkäse und die Hühnchenfilets aufeinandergestapelt zwischen zwei Salatblättern.

  • Im See

    Die windstille, glasklare Wasseroberflaeche durch die nur dein Atem einen Schauer sendet, was den Himmel sich in zitternde Ovale zusammenziehen und von dir rhytmisch entfernen laesst. Das aescherne lila des nahenden Sonnenuntergangs wird mit den grünen Silhouetten der Uferstraeucher versetzt.

    Augen offen unter Wasser. Ein dreidimensionales Rothko-gemaelde, in das man eintauchen kann. Vom dunklen Grün der Tiefe zum weißen Spasmus der Oberflaeche, der breite Streifen des Übergangs.

  • Gel ki şafaklar tutuşsun

    Das aescherne Lila wird rosa-rot und schmerzhaft fürs Auge erscheint die Sonne. Die wahllos in der Dunkelheit herumliegenden Schlaefer kommen hervor im alles entblößenden Licht. Auf bloßem Boden aneinandergekuschelt, oder austaffiert mit Korimat und Schlafsack im Schatten eines Baumes. Der, der am Lagerfeuer genaechtigt hat, ist gaenzlich von asche-weißen Schneeflocken bedeckt.

    Zu siebt fallen wir über den Haschisch-Brei her. Zuckersüß und spinat-grün, knusprig, doch zugleich liquid. Mir gegenüber sitzt ein Junge der mir wie ein Werwolf anmutet mit seinen wilden, wasserblauen Augen, dessen Pupillen permanent auf Stecknadelköpfe reduziert zu sein scheinen, und seinen sich in alle Richtungen straeubende Haare und Bart.
    Wir stopfen uns recht unelegant die Maeuler übervoll, die giftfarbene Flüssigkeit quellt uns an den Mundwinkeln hervor.

    Als uns zwanzig Minuten spaeter das High in die Höhe hebt, löst sich auch der blutend rote Himmel in sanft orangenem Wohlgefallen auf und hinten an wird der blau-weiß ausgewaschene Tag angeschwemmt.

  • Der Morgen nach dem Morgen danach

    Wir sitzen wie Platon's Ideale vor unseren langen Schatten. Das Flackern der einzelnen Kerzenflamme laesst die Rußspuren an der Höhlenwand Gespenster malen wenn man den Kopf in den Nacken legt. Wenn man einfach geradeausschaut erstreckt sich die Himelswölbung aus in die Ferne von diesem kohleschwarzen Eingangsbogen. Mars schiebt sich gerade gewichtig durch den Stier.

    Das Höhleninnere wird erfüllt von den marchenhaften Klaengen die Pedro auf seinem Hackbrett hervorzaubert. Vasya spielt dazu Maultrommel.

  • Wir pusten ins Feuer

    Funken sprühen, Rauch stöbt auf, die Glut leuchtet neon-rot. Flammen springen empor. Dann versagt die Glut doch und wird graue Asche.

  • Steinzeitmensch

    Die Paar Tage, die wir in der Höhlenstadt Mangup verbrachten, wollte ich unbedingt meinen neuen Freund Hermann bei mir haben, die Person, die von allen, die ich kenne, einem Steinzeitmenschen am ähnlichsten sieht. Sie hat zottelige, imperfekte, bis zur Taille hängenden Dreads und einen wurstelig dichten, im Moment zu zwei ungleich dicken Zöpfen geflochtenen Bart.

  • Сказка

    Babies beobachten ist so ähnlich wie ins Feuer schauen -da wird was in der menschlichen Genetik gekitzelt, dass zur Folge hat, dass man das ewig machen kann: Die mit Atem bebenden Bäuchlein, die winyigen herzförmigen, noch an die Brustwarze angepassten Mündchen, die dick gedrehten wurst-artigen Ärmlein die in perfekt geformten Händchen enden, an denen jede Falte an den Finergelenken schon gelegt sind, das regelmäßige Zucken das im Schlaf über das nuckelnde Gesichtchen zieht.
    Das sind die Kinder meiner Freunde, Zwillingstöchter. Lena blinzelt ihren Kindern zu, Schut näselt liebevoll die Daunen am Hinterkopf der Tochter, die er vor dem Bauch trägt. Die zwei sind die Art von Paar, die ich mir nicht auseinanderdenken kann. Sie haben sogar am selben Tag Geburtstag. Die eine ist manchmal wortkarg, der andere ohne Ausnahme mitteilsam. Die eine hat kurzes, feuerrotes Haar und dreadlocks am Hinterkopf, der andere eine kohleschwarze lange Mähne, die an den Schläfen zu einem breiten Irokesen rasiert ist. Und beide tragen schwarz-rote Sterne auf den Aufnähern in ihren Klamotten.

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